Ein Coming Out
22. October 2008, 13:20 - Autor: Manuel Dietz
Skateboarding und Laufen haben nichts gemeinsam. Das eine ist eine Lebenseinstellung, das andere ist ein Sport.
So würden das wahrscheinlich ohne Probleme 50 + % aller Rollbrettfahrer sofort unterschreiben.
Aber ist dem auch so?
Ist Skateboarding wirklich für alle eine Lebenseinstellung ?
Ist das Laufen wirklich für alle nur Sport ?
Was bringt Menschen dazu tagtäglich auf ein rollendes Brett zu steigen ?
Was motiviert die anderen dazu, mehrmals wöchentlich die Laufschuhe zu schnüren ?
Stoßen sich die beiden Gruppen wirklich ab und schließen sie sich kategorisch aus ?
Ich als Skateboarder kann das alles nicht unterstützen, denn nach 20 Jahren auf dem Skateboard blickt man auch mal über den Tellerrand. Neben Skateboarding steht die Familie, Studium und eben mittlerweile das Laufen.
Klar ärgert es mich, dass ich nicht mehr täglich rollen gehe, das machen aber auch die Knochen nicht mehr mit und die Zeit lässt es nicht mehr zu. Das lernen neuer Tricks fällt einfach immer schwerer und das liegt nicht daran, dass ich schon alles kann! Ich würde sagen ich habe mich eingefahren.
Ich habe immer noch jeden Tag mit Skateboarding zu tun, wache mit Skateboarding auf und gehe mit Skateboarding ins Bett, aber in der Zeit dazwischen geht es eben auch mal zu Fuß die Straße runter.
„Muss ja komplett ätzend sein!“ werden wohl viele denken, mag für viele auch so sein. Für mich ist es aber eine neue Art meinen Kopf frei zu bekommen. Die Zeit in der ich irgendwo alleine zwischen Wäldern und Bäumen unterwegs bin, da kann ich denken und machen was ich will und da entdecke ich auch die Gemeinsamkeiten mit Skateboarding.
Ich kann tun und lassen was ich will. Ich kann jeden Tag Laufen, ich kann es aber auch sein lassen. Ich kann mir die Rübe mit Musik zudröhnen lassen oder einfach die Ruhe genießen. Klar für viele Skateboarder gibt es nichts ätzenderes als sich alleine in der Natur zu bewegen … habe ich auch immer gehasst mit 12-16 Jahren. Aber glaubt es mir doch einfach mal … im Leben ändern sich viele Dinge, dazu zählt wohl auch, dass Skateboarding nicht immer ALLES im Leben bleiben wird.
Klar Freundschaften durch Skateboarding … mit der kleinen Crew auf Tour gehen, das gibt Dir Momente im Leben, die durch nichts zu ersetzen sind und die ich auch nicht vermissen will.
Wenn ich die beiden Aktivitäten miteinander vergleiche muss ich über den Spruch „Skateboarding ist ein Lifestyle und kein Sport“ etwas schmunzeln, denn es gibt unter den Skatern mit Sicherheit mehr leistungsorientierte als in einem normalen Starterfeld bei einem Laufwettbewerb. Es wird lediglich der Fokus anders gelegt. Bestes Beispiel für mich ist der „King of S.K.A.T.E.“. Also wenn das nicht nach Sport riecht, dann hab ich keine Ahnung wo da die Grenze gezogen wird.
Das merkwürdige am Skatervolk ist, dass andere, trendige “Sportarten” wie z.B. Snowboarding oder Basketball vollkommen akzeptiert werden, wohingegen den alteingesessenen nur mit Nasenrümpfen begegnet wird. Soviel zu der ach so toleranten Szene.
Warum ich das hier eigentlich schreibe ?
Hmmm vielleicht öffne ich für manche unter Euch den Horizont nur ein ganz klein wenig …
Das sind nämlich nicht alles verkappte Möchtegernweltrekordler in engen Hosen, die miteinander um die Wette rennen.
So, muss zum Ende kommen, letzte Trainingseinheit … am Wochenende ist Marathon.

11 Kommentare zu Ein Coming Out
sehr gut!
ich oute mich hiermit als fahrradfahrer!!
schön mugge an und durch den wald und über feldwege heizen und sich selbst mal ein bisschen schinden.
der christoph 22. October 2008, 19:05 #

he he, manuel. brohers from different mothers. laufen macht den kopf und die seele frei. habe diesen sommer auch angefangen. berlin marathon war dann der höhpunkt. gänsehauterlebnis. es gibt mehr laufende skater als man denkt, ich bin auch immer wieder überrascht. grundsätzliich würde ich das auch nicht so gegeneinander stellen. es sind zwei koplett unterschiedliche dinge, die aber auf ihre eigene weise fazinieren. trotzdem fühle ich mich mit der skateboard szene persönlich verbundener, als mit den läufern.
jedem das seine.
joe 23. October 2008, 14:48 #

cooler artikel, jetzt weiß ich auch, weshalb du – mal wieder – so lange am rechner
festgesessen bist.
ich kann nur sagen, mit einem laufenden skater verheiratet zu sein bietet unheimlich viel stoff für unterhaltungen!!! und es gibt viele lustige geschichten…viel erfolg für sonntag
pamela 23. October 2008, 17:42 #

gutes ding! bei mir kam das laufen vor dem skaten und ich habe jahrelang komplett aufgehört. ich hatte früher einfach keinen bock mich ständig messen und bewerten zu lassen, was automatisch passiert, wenn man durch einen verein in die aktive wettkampfszene gedrückt wird. mal um die wette rennen hat auf jeden fall was und macht auch bock, aber nur mit anderen schwanzvergleich zu betreiben ist auf dauer lahm und vermiest einem das lauferlebnis. ich denke gleiches gilt teilweise auch für die skateszene. auch hier wird krass gewetteifert, aber häufig auf eine perversere art und weise. um weiter in dem bild von oben zu schreiben: man photographiert und filmt seine schwänze möglichst eindrucksvoll, poliert sie am computer auf und vergleicht sie dann erst. ich denke in beiden fällen (laufen/skaten) sollte man im auge bzw herzen bewahren, was wichtig und was nur komischer druck durch sich selbst oder von anderen aufgezwängte erwartungshaltungen ist. im endeffekt ist es eine reine gefühlssache: wenn du alleine skatest/läufst/was auch immer und du merkst wie dich die sache durch das einfache tun in genau diesem moment erfüllt und belebt… wer das fühlt braucht keine bestätigung von plastikmenschen!
Basa 24. October 2008, 12:11 #

“im endeffekt ist es eine reine gefühlssache: wenn du alleine skatest/läufst/was auch immer und du merkst wie dich die sache durch das einfache tun in genau diesem moment erfüllt und belebt… wer das fühlt braucht keine bestätigung von plastikmenschen!”
WORD! auf den Punkt gebracht.
sash 24. October 2008, 15:42 #

Danke,
besser hätte man es nicht schreiben können!
Es gibt so viele die sich nicht OUTEN!
Laufen ist wohl eine der geilsten Sportarten,
nur die Fußballer unter euch mögen sich sicherlich nicht outen? oder doch…
Michael 25. October 2008, 10:53 #

ich find eh nicht das da soviel unterschied ist zwischen skateboarding und anderen sportarten… man kann sich sicher auch im fussball eine lebenseinstellung suchen. oder in allem anderen woran man spass hat und vielleicht sogar gut ist. und es gibt viele skater die nicht aus spass fahren sondern um der beste zu sein und dafür “trainieren” die ja auch…
max 25. October 2008, 20:53 #

“… im Leben ändern sich viele Dinge, dazu zählt wohl auch, dass Skateboarding nicht immer ALLES im Leben bleiben wird.”
Genau das hab ich im letzten halben Jahr selbst erkannt. Super Text, spricht einem aus der Seele.
fabi 27. October 2008, 11:27 #

Outen klingt so schlimm… Wovor muss man denn Angst haben, wenn man gerne läuft? Vor kleinen Skatenazis? Die kriegen ne Schelle und gut is. :D
dL 9. January 2009, 11:24 #

Du cruist gerade in der Sektion Artikel rum.
Zurückblättern zu
Erwin Huber, CSU - ein Rückblick
Vorblättern zu 5.2. News



