Mexiko - Woche 2
22. July 2010, 07:30
Reisebericht und Bilder von Bo
27. Juni
Raus aus der Hängematte und rein ins Auto. Mit Pekas, Renol, Joseph und Pedro fuhr ich, über die kostenlose Landstraße, nach Cancún. Auf dem Weg kamen wir durch unzählige kleine Orte, die mindestens doppelt so arm waren, wie sie aussahen. In einem Ort hielten wir an, um eine Quarter auf einer Mauer zu fahren, die wir zufällig entdeckt hatten. Nach wenigen Minuten waren ungefähr 20 Kinder um uns versammelt, die total aufgedreht waren und uns zuschauten, was wir da veranstalteten. Sie liefen uns hinterher und kicherten immerzu. Als sie dann ein Deck in die Hand bekamen war alles zu spät. Sie hätten noch 2 Tage ohne Essen und Trinken spielen können, aber wir mussten leider schon wieder gehen, da die Sonne unterging und wir rechtzeitig in Cancún ankommen wollten. Einige Dörfer später suchten wir eine Weile nach dem Viertel Kinik (zumindest wird es so gesprochen) in dem sich das Haus von Antuan befand. Ich war froh, als wir vor die Tür fuhren, dass es nicht eins der Häuser war, die etwas weiter die Straße runter standen. Wir waren nicht lange bei Antuan, da ging es auch schon zum Summer Break. Total verrückte Amitussis, die weniger Stoff am ganzen Leib trugen, als ich am Oberkörper. Wir holten uns ein paar Bier und setzten uns an den Strand. Stupido Renol verschenkte dort zwei Bier an einen sehr unseriös bis gar nicht nach Lebensretter aussehenden Lebensretter. Er wollte alles von uns wissen. Wie wir heißen, woher wir kommen, wo wir wohnen, was wir hier machen und wohin wir wollen. Ich hielt einfach den Mund und dachte über jedes Wort, das den Lippen der sonst Anwesenden entfleuchte, sehr scharf nach, denn ich wollte nicht, dass dieser Typ irgendetwas über uns erfährt. Wir verließen den Strand allerdings recht bald. Nachdem uns Geldmangel dann endgültig den Partyspaß verdorben hatte, fuhren wir wieder zu Antuan. Allerdings wäre Pekas besser nicht gefahren, denn er wurde von der Polizei kontrolliert. Er machte einen riesen Stress, zerkaute noch schnell ein Fisherman’s und bekam dann einen Strafzettel, weil keiner im Auto angeschnallt war. Pekas war über die Höhe der Strafe wahrscheinlich so erstaunt, dass er wie eine gesenkte Sau über Stock und Stein fahren musste. Wir kamen trotzdem heil ins Bett.
28. Juni
Eigentlich wollten wir um 8 Uhr aufstehen und losfahren, waren dann aber erst um 14 Uhr im Auto, um zum lokalen Skateshop zu tuckern. Es war brütend heiß. So heiß, dass man kaum eine Minute in der Sonne stehen konnte. Selbst wenn man dafür 200 Pesos bekommen hätte. Zum Glück gab es eine Klimaanlage und somit war es in dem kleinen Skateshop kühl und wir konnten entspannt ein Video schauen, während Renol seine Produkte an den Mann brachte. Nach dem Video fuhren wir zu einer Statue, deren Fuß man als Bank fahren konnte. Problem daran war nur, dass am Ende ein Drop von einem guten Meter war und man verdammt schnell wurde, wenn man einen Ollie, oder Ähnliches, in die Bank machte. Das Verletzungsrisiko war also hoch und deshalb beließ ich es bei einem Drop. Nach ein paar Flips fuhren wir weiter zu einer Ledge. Ziemlich lang und ziemlich unfahrbar. Ich beschäftigte mich einfach mit experimentellem Fotografieren und ungewöhnlich stark bekleideten Mädchen. Als die Session vorbei war, musste natürlich was in den Magen. Da kam uns das günstige Sandwich inklusive Pepsi für 12 Pesos sehr gelegen. Danach wollte Pedro ein Doubleset an einem Einkaufszentrum machen. Wir mussten erst eine Weile warten, da ein Auto im Weg stand und nach dem ersten Versuch fing es auch noch an zu regnen. Die erwartete Sintflut blieb zwar aus, aber nass war es trotzdem. Der Ollie war damit Geschichte. Abends gab es noch ein paar Bier am Strand, um besser einschlafen zu können. Dort war ich auch das erste Mal in Mexikanischen Küstengewässern. Zumindest bis zu den Schienbeinen.
29. Juni
Als sich alle 6, die in einem Zimmer schliefen, aus dem Bett geschällt hatten und abfahrbereit waren, musste Pekas erst seinen Führerschein wieder holen. Ich meinte, dass ich die Rechnung zahlen kann, da 70 Pesos nicht viel für mich wären, aber Pekas lehnte dankend ab, da sein Vater das schon zahlen würde. Dann fuhren wir wieder zum Strand vom Vortag und rollten umher. Total aufgeheizt vom Skaten konnte ich es kaum erwarten ins Meer zu springen. Es war herrlich. Das Meer war so blau, dass man den Horizont kaum erkennen konnte, so salzig, wie mexikanische Lutscher und Wellen so hoch, dass man sich bis zum Strand tragen lassen konnte. Wir verbrachten eigentlich den ganzen Tag am Strand. Nachdem wir kurz bei Antuan waren fuhren wir wieder zum Summer Break, wo Joseph und ich in einen Schuppen einkehrten, um uns richtig zu besaufen. Die Leute an der Bar waren die Unfreundlichsten, die ich je getroffen hatte. Sie wollten, dass ich erst ein Trinkgeld gebe, bevor sie mir einen Drink ausschenken würden. Das gab ich natürlich nicht und zog mir einen Tequila nach dem anderen rein. Irgendwann kam noch eine fette Kuh, die mir 3 Drinks in den Rachen kippte, mir 2 Mal an den Nippeln zog und dann meinte, dass ich ihr 30 Pesos schulde. Ich zettelte natürlich sofort eine Diskusion an, dass ich hier umsonst saufen könne und ich es nicht nötig hätte 30 Pesos für 3 läppische Drinks auszugeben, die aussahen wie blau eingefärbter Atommüll. Sie bestand allerdings beharrlich auf die 30 Pesos und meinte, dass sie es mir ja auch gesagt hätte. Mit der fetten Qualle wollte ich mich dann aber doch nicht einlassen, also gab ich ihr das Geld rief ihr „Bloodsucker“ hinterher und holte mir ein Bier. Auf der Terrasse lernte ich dann noch einen Typen kennen, der deutsche Autos in Mexiko verkauft. Ich unterhielt mich ein wenig mit ihm und dann meinte er, dass er mich in die Disco auf der anderen Straßenseite nehmen könnte. Ich willigte ein und versuchte noch Joseph mitzunehmen, was der Typ aber nicht wollte, da Joseph noch unter 18 war. Verstehen konnte ich ihn. In der Disco gab es ein paar Drinks, wir unterhielten uns eine Weile und langsam kam raus, wieso er die anderen nicht mitnehmen wollte. Er sagte dann sowas wie „Ich konnte deine Freunde nicht mit reinnehmen, weil sie Mexikaner sind. Sie sind einfach schlecht für’s Geschäfft. Wenn ich mit normalen Mexikanern fotografiert werde und das in die Zeitungen kommt, verkaufe ich keine Autos mehr.“ Ich brüllte ihn an, verfluchte ihn und ging raus. Ich erzählte den anderen alles und schimpfte auf die Deutschen. Außerdem war der Typ, glaube ich, schwul, denn er befummelte einige Male meinen Arsch. Nicht sehr offensichtlich, aber er tat es. Perro. Breit wie eine Natter fuhren wir zu Antuan und ich schlief sofort ein.
30. Juni
Noch benebelt vom Vortag, wachte ich auf und bald fuhren wir, ohne Antuan, nach Playa del Carmen und meinem 2. Bad im Meer. Der Ort ist ein Touristenort, aber sehr schön. Nachdem wir ausgebadet hatten suchten wir ein Hotel. Schnell war eines gefunden. Vielleicht kam mir das auch nur so vor, denn auf der Fahrt schauten wir nur Mädels hinterher und laberten Scheiße am laufenden Band. Der Mann an der Rezeption wollte 110 Pesos pro Nase, was für die Bude in Ordnung war. Die Zimmer waren sauber, wenn auch nicht ganz ungefährlich und die Dusche wurde direkt von mir übernommen, denn meine Kleider stanken wie nichts Gutes. Leider konnte ich, genau wie alle anderen, die halbe Nacht nicht schlafen, also fuhren wir um 2 Uhr nochmal zu OXXO, um uns etwas Nahrung zu besorgen. Nach dem Toastbrot konnte ich dann endlich pennen.
1. Juli
Eigentlich wollten wir nach Cozumel, einer kleinen Insel, die man vom Strand aus sehen konnte, aber der Freund von Renol rief nicht an oder hatte keine Zeit. Wir änderten den Plan, blieben bis 14 Uhr im Hotel und fuhren dann zu einem Skatepark. Es gab dort nicht viel, aber es hat Spaß gemacht trotz der, mal wieder, fast unerträglichen Hitze, was unseren Wasserverbrauch rapide in die Höhe steigen ließ. Die 5 Liter, die Renol holte waren innerhalb von 5 Minuten weg. Pekas brach sich beim Kickflip Bs Nosegrind BS Revert am Curb noch einen ab, nur um das Ganze dann doch nicht auf Video zu haben. Neuer Spot, neues Glück. Diesmal war es ein Handrail, das Pedro mit einem FS Boardslide bezwingen wollte. Erst wollte das Ding nicht so wie er wollte, dann wollte der Boden nicht so wie er wollte, aber am Ende wollten dann doch alle Beteiligten. Im BurgerKing neben dem Rail sahen wir, wie Mexiko gegen Ecuador gewann und fuhren dann zurück nach Cancun. Dort kehrten wir noch eben bei OXXO ein und dann ins Bett.
2. Juli
Der Plan war, mal wieder, früh, in diesem Fall um 7 Uhr, aufzustehen, aber es wurde dann doch 12 Uhr, bis wir überhaupt alle wach waren. Wir schoben uns ein paar Sandwiches hinter die Kiemen und fuhren zum Strand, stürtzen uns in die Wellen und beschmissen uns mit Sand. Es wurde noch ein bisschen in der Gegend rumgepusht, was uns die letzten Kräfte raubte. Wir saßen schon im Auto, da fiel Renol ein, dass er seine Schuhe möglicherweise bei Antuan vergessen hatte. Also rief er ihn an und wie vermutet waren die Schuhe noch bei Antuan, der nicht auf dem Weg nach Mérida wohnte, wo wir gegen 23 Uhr ankamen und uns hundemüde in die Hängematten klatschten.
3. Juli
Ich hatte an diesem Morgen besonders übles Heimweh, da Renol am Morgen weggefahren war und es zu allem Übel zu regnen begann. Pekas holte Joseph und mich allerdings trotzdem ab und kaum waren wir im Auto kam die Sonne wieder raus. Ich holte mir ein paar Pesos und kaufte gleich noch einen Packen Filme in der Mall. Zusammen mit ein paar Locals fuhren wir dann zu ein paar Ledges, die glücklicherweiße im Schatten der Bäume lagen. Der Spot war geil. Es gab nicht nur Ledges, sondern auch Bänke, einen Wheelietable und 2 große Gaps. Eine schöne entspannte Session mit Baseball im Hintergrund. Baseball ist, nebenbei gesagt, in Mexiko wahrscheinlich die 2. beliebteste Sportart und da wird der Opa auch mal zum Trainer. Der nächste Spot an dem wir waren ist DER Spot in Mérida, da dort alles angefangen hat. Die ersten Skater drehten dort vor 15 Jahren schon ihre Runden. Es gibt Curbs, Ledges, Gaps und natürlich guten Boden. Wir skateten dort bis die Sonne unterging. Wieder zurück im Haus gab es noch etwas zu essen und eine Gute-Nacht-Geschichte, die sich aber jeder selbst erzählte.
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