Short story
24. September 2006, 22:39 - Autor: Bastian Stegen
„Was zur Hölle bist du denn für einer, wie rennst du denn rum?“ „Ich bin der Benni und ich bin so!“
Benni ist 18 Jahre alt und lebt im Los Angeles des Jahres 2102. Eigentlich ist Benni ein ganz normaler junger Mann. Er hat einen normalen Job als Pizzalieferant und auch eine Schule besucht. Er trägt fast die gleichen Klamotten, wie jeder in dieser Zeit. Auch ist er nicht körperlich deformiert oder sonstwie abgehoben von der breiten Masse. Benni ist voll normal.
Eigentlich wäre es also gar nicht interessant, eine Geschichte über ihn zu verfassen und doch gibt es da etwas, was ihn von der Masse abhebt.
Es ist Bennis Art zu denken, zu leben, zu lieben. Es ist das Verhalten, was ihn anders werden lässt. Benni lebt nämlich nach einem uralten Brauch, den er von seinem Vater überliefert bekommen hat. Dabei geht es darum, auf einem hölzernen Brett die Hügel seiner Stadt hinunter zu fahren und auf diesem Brett irre Kunststücke (von ihm Tricks genannt) zu vollführen. Niemand anders lebt in diesem Stil. Nur Benni und das macht ihn zum Außenseiter.
Wenn er zu seinem Lieblingsort zur Ausübung seiner Leidenschaft kommt, von ihm kurz Spot genannt, dann wird er von allen anwesenden Hoverboardkids ausgelacht. Sie amüsieren sich über sein komisches Brett, das noch nichtmal Strom braucht, um über dem Boden zu schweben. Vier kleine Gummirollen, die Bennis Vater in seiner Werkstatt eigenhändig gegossen hat, reichen vollkommen aus. Dieses unfortschrittliche Brett aus Holz, einem Material, dass man fast nirgendwo auf der Erde mehr abbauen kann (Eine Folge des Raubbaus an der Natur) ist auch komisch geformt. So besitzt es kein High-Tech-Mineralschaum-Griptape, mit dem Tricks auf das Board programmierbar sind. Tricks werden durch komplexe Bewegungsabläufe ausgeführt, bei denen das Brett mit den Füßen gestoßen, gezogen und gepresst wird. Niemand kann sich wirklich vorstellen, wie dieses Ding funktionieren soll. Niemand, außer Benni.
Benni interessiert das Lachen nicht. Er weiß, das er ein winziger Teil von etwas Großem ist, er weiß, das Skateboarding mal riesig gewesen ist. Und, dass er einer der letzten ist, die diesen alten Brauch aufrecht erhalten und weitergeben können.
Es muss so um das Jahr 2006 herum gewesen sein, als einige geldgierige Proskater Skateboarding an die Videospiele-Industrie verkauften. Von da an ging es mit Skateboarding bergab. Diejenigen, die es zu dieser Zeit noch praktizierten, hörten schnell auf, da die Verfolgung durch die allmächtige Videospiele-Industrie zu große Probleme mit sich brachte. Die Verfolgung war zu hart, als dass es sich wirklich lohnen würde. Menschen wurden eingesperrt, weil sie markenrechtlich geschützte Sticker auf ihre Decks geklebt haben oder Poster von Proskatern in ihren Zimmern hängen hatten, die ihre Seelen schon an die Industrie verkauft hatten. Was blieb, waren gekränkte Skateboardveteranen, die ständig im Verborgenen über das „Früher“ sinnierten, doch nie etwas auf die Beine stellten und einige Leute, die behaupteten dabei gewesen zu sein, es aber nie waren. Skateboarding war Tot!
Jahre später, im Zuge des Aufkommens von Suizid-Reality-Spielen, ging es auch mit der Videospiele-Industrie den Bach hinunter und einige findige Geschäftsleute brachten die Hoverboards in ihrer jetzigen, altbekannten Form heraus. Sie orientierten sich an alten Zeichnungen aus Patentanträgen, die die nun untergegangene Videospieleindustrie in ihren letzten Tagen für einen Spottpreis verkauft hatte, um so vielleicht doch den Untergang noch abzuwenden. Es half nichts.
Alle fuhren nun Hoverboard, bis auf Benni, dessen Vater sich an seine früheren Skateboardzeiten zurückerinnerte und seinem Sohn eins baute.
Die Materialien waren schwer zu bekommen, doch das war Bennis Vater egal. Er sah in seinem Sohn eine Art Kämpfer für das Gute, der aussziehen musste, die Welt zu bekehren.
Und so tat es Benni, doch überall, wo er hinkam wurde er ob seines altmodischen Equipments verlacht. Oftmals wurde ihm auch mit Schlägen gedroht, weil die Hoverboardszene sehr intollerant allem Fremden gegenüber war. Fremdes wurde ausgegrenzt, uncooles ausgeblendet. Wer nicht das richtige Zeug von der richtigen Marke hatte war ein NICHTS, ein NIEMAND. Derjenige war weniger wert als eine Astro-Robo-Kuh und die waren nun wirklich die unterste Stufe des evolutionären Fortschritts. Derjenige war gesellschaftlich tot. Doch das war Benni egal. Benni tat weiterhin, was ihm für richtig erschien und was er schon immer geliebt hatte. Und wenn er mit dem Kopf vor eine Wand laufen würde, Benni hörte nicht auf. Dies brachte ihm nicht grade viele Sympathien in der Hoverboardszene ein doch auch dies war ihm
egal.
Er kämpfte bis an sein Lebenssende im Jahre 2154 für die gute Sache und starb letztendlich durch Mord.
Unbekannte Täter hatten ihn an ein Kreuz aus Hoverboards genagelt und niemand wusste, was dieses Zeichen bedeuten sollte. Der Tatort sah aus, als wenn Benni noch Stunden gegen seine Mörder gekämpft hatte, doch irgendwann wird er die Kraft verloren haben.
Warum ich euch diese Geschichte erzähle fragt ihr euch? Nun, für mich ist diese Zukunft teilweise leider schon Gegenwart! Und die Hoverboardszene existiert schon!

7 Kommentare zu Short story
Hoverboards? Sind das die Boards bei denen man nicht erkennt was hinten und was vorne ist? Und die, die die richtig fahren können immer so im Stehen mit dem Tail auf den Boden knallen und dann hochhopsen und dann nur mit einem Fuß landen? Komischer Sport….....
Chris Eggers 25. September 2006, 09:29 #

Die Hoverboardszene existiert schon ? Na da soll mal einer versuchen mich da drauf zu nageln …
manuel 25. September 2006, 11:33 #

Shit, ich wollte mir fast schon THP8 bestellen…
;)
Basti, geile Story.
micha 25. September 2006, 18:46 #

haha, was für ein schwachsinn .. erinnert mich an die ganzen vielen punks die voll im kampf gegen den kommerz sind. skapunks die meinen nur noch brands wie rebel-rocker-skateboards unterstützen zu müssen … ist doch alles schwachsinn.
man könnte auch als beispiel nike nehmen .. was zum teufel haben die im skateboarding verloren .. haben sich da ja extra für uns skater nike SB genannt .. die produzieren doch schuhe für fast lau, zahlen ihren arbeitern nix aber verkaufen für 100€ das paar .. okay, ein grund nike nicht zu kaufen aber auch ein grund etnies, vans, dc usw. zu kaufen
.. die produzieren doch genau so !
lange rede kurzer sinn .. voll öde hier
olli 16. November 2006, 15:07 #

sag mal ganz ehrlich olli … was wolltest Du uns denn nun mitteilen ?
manuel 16. November 2006, 18:48 #

super gute story!
liest sich locker runter!
was benni uns mitteilen wollte???ich denke das ist ein denkanstoss…
das wir aufpassen muessen, das unser sport nicht verallgemeinert wird, das die industrie nicht noch mehr oberhand gewinnen darf!das es back to the roots gehen soll oder muss, damit wir so noch lange unseren sport ungehindert und wie wir es wollen ausueben koennen!
flip 26. January 2007, 11:21 #

Du cruist gerade in der Sektion Artikel rum.
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Zum Glück ...
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